Energiewende 1 – Sind wir zu schnell und doch zu langsam unterwegs

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Eigentlich wollte ich zum Thema Energiewende nichts veröffentlichen, aber nachdem ich in letzter Zeit in den verschiedensten Medien, unterschiedliche und zum Teil auch skurrile Behauptungen gehört habe, werde ich in den folgenden Beiträgen mal meine private und persönliche Meinung äußern. Meine Meinung hat nicht den Anspruch 100%ig korrekt und belegt zu sein, sie soll niemandem Panik machen. Diese Beiträge sollen nur mein aktuelles Verständnis der aktuellen Situation wiedergeben.

In diesem Beitrag soll es um die Energiewende und der Fragestellung gehen, ob wir nicht zu schnell unterwegs sind. Ich kann jeden verstehen der sagt , dass wir dringend den CO² Ausstoß reduzieren müssen um den Klimawandel entgegenzuwirken. Aber ein übertriebener Aktionismus ist aus meiner Sicht genauso gefährlich wie überhaupt nichts zu tun.

Als ich heute morgen aus dem Küchenfenster sah und die Windräder in der Nähe drehen sah, dachte ich mir , ja hier wird saubere Energie gewonnen. Ich stellte mir die Frage, wie viel Energie aktuell überhaupt sauber gewonnen wird. Als saubere Energie sehe ich Photovoltaik, Biomasse, Wind (on- und off-shore) , Wasserkraft und sonstige Erneuerbaren Energien ab. Erdgas zähle ich nicht dazu. Es hat zwar einen besseren CO² Wert als Kohle oder Öl, gehört meiner Meinung nach nicht zu den sauberen Energieträgern. Bei der Kernkraft bin ich mir selber nicht sicher, was ich davon halten soll. Auf der einen Seite hat die Kernkraft einen optimalen CO² Fußabdruck, auf der anderen Seite steht allerdings die Entsorgung, Lagerung der Brennstäbe und die Gefahren wenn etwas schief geht. Man denke nur an Fukushima oder Chernobyl.

Also habe ich auf der Webseite SMARD Strommarktdaten der Bundesnetzagentur angesehen und für den heutigen Tag sah bis 13 Uhr der erzeugte Strommix wie folgt aus (Rohdaten) :

Energiewende 1 -  Sind wir zu schnell und doch zu langsam unterwegs
Datenkategorie: Realisierte Erzeugung Region: DE Zeitraum: 07.02.2020, 00:00 – 07.02.2020, 23:45 Stand: 07.02.2020, 15:42 (c) Bundesnetzagentur | SMARD.de

Ich musste feststellen, dass die Werte der realisierten Erzeugung am heutigen Tag zum größten Teil unter dem des realisierten Stromverbrauchs lagen. Wir mussten also Strom importieren. Um 13:00 Uhr hatten wir eine Mehrverbrauch von 1.194 MWh.

Energiewende 1 -  Sind wir zu schnell und doch zu langsam unterwegs
Datenkategorie: Realisierte Erzeugung Region: DE Zeitraum: 07.02.2020, 00:00 – 07.02.2020, 23:45 Stand: 07.02.2020, 15:42 (c) Bundesnetzagentur | SMARD.de

In den Medien und verschiedenen stattgefunden Veranstaltungen wurde immer wieder Verlangt, den Braunkohleaustieg zu beschleunigen. Was wäre, wenn wir auf sämtliche Kohlekraftwerke verzichten würden. Sowohl Braunkohle als auch Steinkohle. Ich finde Kohle ist Kohle.(Rohdaten)

Energiewende 1 -  Sind wir zu schnell und doch zu langsam unterwegs
Datenkategorie: Realisierte Erzeugung Region: DE Zeitraum: 07.02.2020, 00:00 – 07.02.2020, 23:45 Stand: 07.02.2020, 15:42 (c) Bundesnetzagentur | SMARD.de

Hätten wir heute um 13:00 Uhr bereits alle Kohlekraftwerke abgeschaltet, wäre müssten wir 22.826 MWh Strom importieren müssen, um den Strombedarf abdecken zu können.Wäre das möglich.
Und was wäre wenn wir nur noch grün Strom erzeugen würden ?(Rohdaten)

Energiewende 1 -  Sind wir zu schnell und doch zu langsam unterwegs
Datenkategorie: Realisierte Erzeugung Region: DE Zeitraum: 07.02.2020, 00:00 – 07.02.2020, 23:45 Stand: 07.02.2020, 15:42 (c) Bundesnetzagentur | SMARD.de

Wenn wir heute um 13:00 Uhr bereits zu 100% Energie aus erneuerbaren Quellen produzieren würden, hätten wir eine Unterversorgung von 41.123 MWh. Und soviel können wir definitiv nicht importieren. Und dieses ist nur eine Momentaufnahme, die ich mir hier ansehe.

Und der Strombedarf wird sich in den nächsten Jahren nicht verringern, sondern eher steigen. Ein Grund ist hier der Umstieg auf die E-Mobilität.
Betrachten wir mal eine Musterrechnung anhand eines Beispieles:
Wir wollen mit einer Akkuladung gut 400 km Schaffen . Betrachte ich mal die heutigen E-Automodelle, gehen die Akku Kapazitäten von 75 kwh bis über 100 kwh. Wir rechnen jetzt einfach mal mit 85 kwh für 400 km.
Laut Informationen der deutschen Versicherer fahren wir Deutschen im Schnitt 11.888 km/Jahr. Das heißt wir brauchen rund 30 Vollladungen des Akkus pro Jahr. Bei den angenommenen 85 kwh Akkukapazität kommen wir auf einen Jahresbedarf von 2.526 kw/h. Ein 2 Personenhaushalt benötigt im Schnitt 2.400 kw/h ( 3.400 kw/h inkl.Warmwasser über Strom). 2019 hatten wir in Deutschland einen PKW Bestand von ca. 47 Millionen Fahrzeugen (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12131/umfrage/pkw-bestand-in-deutschland/ ). Wenn wir wirklich alle PKW gegen E-Autos austauschen würden, kämen wir auf einen gesamten Strombedarf von 118.731.400.000‬ kwh pro Jahr oder von ~ 325.291.506 kwh (325.291 MWh ) pro Tag. Und das große Problem hierbei ist , dass diese nicht über den Tag verteilt, sondern vermehrt am Abend , wenn man von der Abend zu Hause angekommen ist.

Ein weiteres Thema ist das Thema Heizen. Ölheizungen sind mit einem CO² Ausstoß von ~318 g/kwh ganz böse. Daher stellen viele auf Erdgas um . Hier sinkt der CO² immerhin auf ~ 247 g/kwh. Ich selber habe auf eine Öl-Luftwärmehybrid Heizung umgestellt. Bei Temperaturen unter 8°C wird mit Öl geheizt und darüber mit Strom. Wenn eine Wärmepumpe mit 100% erneuerbarer Energie betrieben wird, hat sie meines Erachtens die beste CO² Bilanz , von den 3 genannten Varianten.

Bei modernen Häusern benötigt man bei einem 365 Tage Betrieb hier auch immerhin im Schnitt 5.800 kw/h, und das meiste in den kalten Monaten. Ja jetzt sagen bestimmt welche , heiz doch mit Holz. Ja Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, aber wer denkt schon dran, dass ein abgeholzter Baum auch erstmal nachwachsen muss. Je nach Sorte kann das gut eine Generation dauern. Nach der Ernte des Holzes kann es nicht sofort zum Heizen genutzt werden, es muss vorher noch Lagern und Trocknen.

Was ich damit sagen will. Ich kann jeden verstehen, der sagt, dass der Klimaschutz und die Senkung des CO² Ausstoßes nicht schnell genug geht, aber wenn wir nicht aufpassen,
werden wir uns zurück ins Mittelalter schießen (Ja ich weiß , das ist etwas übertrieben formuliert). Aber bedenkt mal , wofür wir alles Strom brauchen und mal ehrlich , können wir darauf verzichten ?


Die Anhänge und die Abbildungen der Stromerzeuger stammen von der „Bundesnetzagentur | SMARD.de“ unter der CC BY 4.0 Lizenz . Daher ist auch mein Artikel hier unter dieser Lizenz. Nutzung auf eigene Gefahr.