Alte raus – Neue rein

Erfahrungsbericht zur Heizungsmodernisierung

Aller Abschied ist schwer

Würde ich hier über eine Ehe sprechen, hätten wir die Feuerhochzeit erreicht bevor wir und getrennt haben. Aber irgendwie passt es. Dieses Jahr im Oktober habe ich mich schweren Herzens von unserer Heizungsanlage getrennt. Im Jahr 1979 wurde sie erschaffen und noch im selben Jahr eingebaut und tat seitdem fast täglich ihre Arbeit. Aber mit der Zeit merkte man , dass ein Ende nahe kommt. Nach einiger Zeit musste der Brenner ausgetauscht werden und als letztes Jahr der Warmwassererzeuger geplatzt war und das Wasser emsig plätscherte war es klar, es geht zu Ende. Zwar konnte die Heizung damals nochmal gerettet werden, aber ich war nicht sicher wie lange das ganze hält, obwohl er perfekt geschweißt wurde.

Wer die Wahl hat , hat die Qual.

Hatte man früher nur die Entscheidungsmöglichkeit zwischen einer Gas- oder Ölheizungen, einem Kaminofen oder einer Holz oder Kohleheizung wählen, gibt es heutzutage mehr Möglichkeiten, wie z.B. Brennstoffzellen , Solar, Wärmepumpen oder Pelletheizungen.

In der heutigen Zeit des Klimawandels und der sinkenden fossilen Brennstoffvorkommen, habe ich auch die alternativen Energiequellen näher betrachtet.
Da unser Haus nicht an das Gasnetz angeschlossen ist, fiel diese Möglichkeit schon mal weg. Damit viel auch der Einbau einer Brennstoffzelle weg.
Als nächstes habe ich mir Holz und Pelletheizungen näher betrachtet.

Zuerst habe ich anhand der letzten Jahre den Durchschnittlichen Heizölbrauch für Heizen und Warmwasser berechnet. Im Schnitt der letzten 5 Jahre kam ich auf ca. 2.750 Liter Heizöl.
Aus diesen Daten ergibt sich bei einem Heizwert von ca. 9,8 kw / l  ein Energiebedarf von  29.800 kw/h.

Daraufhin habe ich die Heizwerte der verschiedenen Brennstoffe und Energiequellen ermittelt und ich benutzte die Daten der folgenden Übersicht für die weiteren Betrachtungen. Der Vollständigkeit halber habe ich auch die Werte für Erdgas und Biogas hinzugefügt, auch wenn dieser Brennstoff für mich nicht möglich ist, es sei den ich nehme noch eine zusätzliche Hand voll Geld in die Hand

Vergleich der Primärenergie pro Rohstoff

Heizöl 9.8kw/h
Kohle 8kw/h
Strom 1kw/h
Holz pro Kilo 4kw/h
Pellets 4.8kw/h
Erdgas 10.1kw/h
Biogas 3.3kw/h

Vergleich der Primärenergie einiger Holzsorten pro Raummeter

Eiche 2100KWh /rm
Buche 2100KWh /rm
Ahorn 1900KWh /rm
Birke 1900KWh /rm
Kiefer 1700KWh /rm
Fichte 1500KWh /rm
Holzabfälle Hackschnitzel 900KWh /rm

Betrachten wir nun die Werte mal im einzelnen:

  • Erdöl : Hierbei handelt es sich um einen fossilen Brennstoff auf Kohlenwasserstoff-Basis. Mit seinem Energiewert von 9,8 kw/h liegt er auf Platz 2 der Leistungsfähigkeit.  Das heutzutage gewonnene Erdöl ist aus abgestorbenen Meereslebenswesen , wie z.B. Algen, entstanden.
  • Erdgas:  Hierbei handelt es sich um einen fossilen Brennstoff auf Kohlenwasserstoff-Basis. Es besteht zum größten Teil aus Methan. Vorteil von Erdgas ist der Energiewert von 10,1 kw/h und die sauberere Verbrennung als Erdöl. Heutzutage wird in vielen Gegenden dem Erdgas Biogas welches einen schlechteren Energiewert hat (3,3 kw/h).  Biogas entsteht bei der Vergärung von Biomasse, womit der Grundstoff ein nachwachsender Rohstoff ist und somit „umweltfreudlicher“ als Erdgas ist.
  • Kohle: Die Zeiten der Kohle sind aus meiner Sicht für Heizzwecke vorbei. Es handelte sich um die erste genutzte fossile Energiequelle und die Hartköhleförderung hat in den letzten Jahrzehnten zugenommen, aber die Umweltschäden bei der Förderung und bei der Verbrennung sind aus meiner Sicht heut zutage nicht mehr Tragbar. Bei der Verbrennung entstehen neben Kohlendioxid weitere Gase wie Schwefeldioxid. Bei der Verbrennung werden unter anderem  auch Flugasche, Feinstaub so wie  Schwermetalle ausgestoßen.  Aus meiner Sicht aus Umwelt-, Klima- und Gesundheitsaspekten nicht haltbar. Ich möchte gar nicht wissen , wieviel man investieren muss um bei einer Heizungsanlage die Schadstoffe so zu filtern , dass die Auswirkungen geringer werden.
  • Holz / Pellets: Hierbei handelt es sich um einen Brennstoff nach nachwachsenden Ressourcen und somit CO2 neutral. Was viele nicht wissen ist, das bei der Verbrennung von z.B. Holzpellets fast doppelt so viele Ozon-Vorgängerstoffe entstehen können, als bei Öl. Auch ist die Feinstaubbelastung nicht zu unterschätzen ~ 29mg/kwh. Es gibt zwar auch Heizkessel die nach der Brennwerttechnik arbeiten und dadurch die Werte von ca 14,5 mg/kWh möglich sind.  Bei Scheitholz können selbst Werte von 90mg/kwh gemessen werden.
    Einer Studie von Dr.-Ing. Michael Struschka et al.: Feinstaubemissionen moderner Heizkessel der Universität Stuttgart hat ergeben, dass im normalen Tagesbetrieb im Winter (kein Dauerbestrieb) werden von ca. 114 mg/kWh Feinstaub gemessen werden konnten. Im Vergleich hierzu bei einem Ölbrenner Werte von 0,10 bis 1,40 mg/kWh .
    Wird dann noch nicht lang genug abgelagertes Holz verbrannt ist die Geruchsbelästigung auch nicht zu unterschätzen.

Die Darstellung einiger Holzsorten in der Einheit Raummeter dient nachher zum einfacheren Preisvergleich

Kostenbetrachtung Brennstoff

Neben der Umweltverträglichkeit sollte man sich auch die laufenden Kosten betrachten. Es bringt aus meiner nichts 100% ökologisch zu sein, um nachher festzustellen , dass man sich die laufenden Kosten nicht leisten kann.
Bei der Betrachtung habe ich jetzt nicht immer den günstigsten herausgesucht, sonder habe die Preise per Zufallsauswahl ermittelt.
Als Basis für die weitere Betrachtung nehmen wir das 5 Jahres Mittel von 29.800 kw/h.

Daraus ergeben sich die folgenden theoretischen Brennstoffmengen :

BrennstoffMengeEInheit
Heizöl2.750Liter
Strom28.900kw/h
Kohle3612,5kg
Erdgas2.861,38
Eiche / Buche13,76RM
Ahorn / Birke15,2RM
Kiefer17,52RM
Fichte19,87RM
Hackschnitzel33,11RM
Pellet6020RM

Daraus Ergeben sich die folgenden ungefähren Kosten :
BrennstoffPreis in € / MengeneinheitGesamtkosten in €
Heizöl60,3 / 100L1658,25
Strom²0,23 / 1 kwh6647,00
Kohle0,23 / 1 kg830,87
Erdgas0,40 / 1 m³1144,55
Eiche / Buche66 / RM908,16
Ahorn / Birke36 / RM 547,20
Kiefer32 / RM560,64
Fichte55 / RM1091,2
Hackschnitzel24 /RM 794,64
Pellet0,26 / kg1565,20

Betrachtet man sich die Kosten , könnte man sagen , dass das Heizen mit Strom 100%ig ungeeignet ist. Hier muss man aber noch die zu verwendende Technik und die Effizienz betrachten, daher habe ich das Thema Strom noch weiter betrachtet.

Nach Betrachtung aller Fakten , habe ich Strom und Öl in die engere Auswahl genommen.
Holz wäre tendenziell auch eine Möglichkeit gewesen, allerdings haben die Feinstaubbelastung  und die Lagermöglichkeiten dagegen gesprochen. 6 Tonnen Pellets wollen schließlich auch irgendwo gelagert werden oder ich müsste x mal im Jahr beliefert werden, welches die Kosten natürlich auch erhöhen würde.

Die Heizungstechnik

Bei einem Baujahr 1979 kann man davon ausgehen , dass die aktuell verbaute Technik nicht mehr den Stand der Technik darstellt.
Aktueller Stand der Technik bei normalen Ölheizungen ist die Brennwerttechnik, welche aber bei nur rund 1/5 aller Brennstellen aktuell installiert ist. Bei der Brennwerttechnik erhält man neben der Wärmeenergie aus dem Brennstoff noch zusätzliche Energie aus den abkühlenden Abgase, in dem die bei der Kondensation des im Abgas enthaltenen Wasserdampfes entstehende Wärme mitgenutzt wird.

Im Zusammenspiel mit einem modernen Brenner , der das Öl effektiver und sauberer verbrennt, war das meine 1. Wahl. Aber wie bei allen Ölheizungen hat man im Sommer Energieverluste , da man mehr Wärme erzeugt, als wirklich benötigt wird. Und hier kommt der Strom ins Spiel.  Da man ca. von 20% Wärmeverlust im Sommer rechnen kann, könnte man doch in dieser Zeit auf eine andere Heizquelle umsteigen, vorallem wenn man nur für Warmwasser die Wärme braucht.

Als effektive Heißquellen mittels Strom habe ich mich bei den Wärmepumpen  etwas genauer umgesehen.
Hätten wir ein Passivhaus, wäre es kein Problem gewesen , nur mit einer Wärmepumpe das Haus zu beheizen. Auch im Winter.

Zur Auswahl standen Luft-, Wasser- und Erdwärmepumpen. Je nach Art , hätte ich eine Baugenehmigung und Gutachten benötigt , also habe ich mich eine Luftwärmepumpe entschieden.

Nun war aber noch das Problem mit dem oben berechneten Energieverbrauch von 1kw Strom = 1 kw Wärme. Nicht wirklich effizient.
Bei der von mit ausgewählten Luft-Wärmepumpe  stellte es sich aber wie folgt da. Die Effizienz einer Wärmepumpe wird über die Jahresarbeitszahl(JAZ) dargestellt, die besagt wieviel Heizwärme man mit einem KW Strom gewinnen kann. Will man das ganze Jahr mit einer Wärmepumpe heizen , sollte man eine JAZ nicht kleiner 4 haben. Ich habe eine Anlage mit einer JAZ von 3 gewählt. Dieses sollte für die Frühling bis Herbst ausreichen.
Laut Hersteller kann man mit 70% / 30 % rechnen :
70 % von 28.900 kw *0,8 (da keine 20% Energieverlust) = 16.184 kw
Bei einer Jahresarbeitszahl von 3 ergbibt sich ein Stromverbrauch von 5.395 kw/h.

Die übrigen 8.670 kw werden dann über Öl erzeugt.  Da aber aktuell der Ölpreis ziemlich niedrig ist mit ~ 60,00 € pro 100 Liter, habe ich mich entschieden im ersten Jahr erstmal auf 60 zu 40 zu gehen, um erste Erfahrungen zu sammeln und ein Gefühl für die Verbräuche zu bekommen.

Und los geht’s

Am 02.10. 2017 kam der LKW mit der erwarteten Lieferung. Zwei ganze Paletten Material ,

die eingebaut werden mussten. Natürlich habe ich es nicht selber gemacht , sonder habe den Heizungsintallateur meines Vertrauens mit dem Einbau und vor allem dem Ausbau der Altanlage beauftragt. Die alte Anlage musste komplett auseinandergebaut werden.

Am Ende des ersten Tages war ein Großteil der neuen Anlage bereits aufgestellt.

Außeneinheit
Außeneinheit

Inneneinheit
Inneneinheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am zweiten Tag wurden alle Anschlüsse gemacht und der Schornsteineinsatz gemacht, die Verbindungen zur Außeneinheit installiert und neue Stromleitungen verlegt. Da unser Sicherungskasten nach einem älteren, aber durchaus sicheren, Standard konfiguriert war , wurde auch gleich der FI-Schalter gegen einen den aktuellen Vorschriften entsprechenden getauscht. Danach waren wir gespannt, ob unsere Gerätschaften noch funktionieren, da der neue Schalter empfindlicher war als der alte. Aber selbst unsere 35 Jahre alte Waschmaschine (ja das ist kein Scherz), löste den Schalter nicht aus.

Am dritten Tag morgens wurde dann die Anlage in Betrieb genommen.Hierzu kam dann noch eine Kühlmitteltechnikerin, die die Außenanlage befüllte und mit dem Heizungsmonteur die Anlage in Betrieb nahm.  Dieses lief fast ohne Probleme, nach den ersten Versuchen die Anlage in Betrieb zunehmen  flog uns immer die Sicherung nach kurzer Zeit raus. Nach einiger Zeit hörten wir dann ein Knistern. Schuld war der alte Heizungsnotschalter, der die letzte Ausschaltung wohl nicht überlebt hatte und nicht mehr korrekt schalten konnte. Die Kontakte schlossen nicht mehr richtig und es funkte etwas. Nachdem dieses dann behoben war,  funktionierte die Anlage ohne Probleme.

Konfiguration und erste Eindrücke

Ich hatte die Wahl eine normale Steuerung oder eine internet/Lan fähige Betriebseinheit zu wählen.
Ich habe mich für die Offline-Variante entschieden, da ich ja nicht andauernd an den Einstellungen rumspielen möchte.

Bedieneinheit Heizung
Bedieneinheit Heizung

Über die EInheit habe ich dann die Zeitpläne, wann geheizt und wann Warmwasser benötigt wird einstellen. Auch ab welcher Außentemperatur von Öl auf Strom und zurück gestellt werden soll. Hierzu ist die Anlage mit einem Außenfühler versehen, den ich am Carport anbringen lies.
Nachdem alles eingestellt war, musste das Haus erstmal wieder aufheizen. Nach drei Tagen bei 10° bis 11° Außentemperatur und Regen war es doch extrem abgekühlt, zumal die Türen auch den ganzen Tag offen waren. Daher meine Empfehlung : Macht so etwas im Sommer bei lauschigen Temperaturen.

Daher lief die Außeneinheit erstmal auf Dauerbetrieb. Zweite Empfehlung : Benutzt diese Zeit nicht um den Stromverbrauch hochzurechnen, da bekommt man nur einen Herzinfarkt.

Nach einigen Tagen Betrieb normaliserte sich der Verbrauch und ich konnte mich der Heißwassergewinnung weiter widmen. Ich habe meinen alten Warmwasseraufbereiter behalten und den Temperatursensor an die Haupteinheit der Heizung angeschlossen.

Warmwassertank
Warmwassertank

Wärmebild Warmwassertank
Wärmebild Warmwassertank

Nun stellte sich heraus, dass die Temperatur, die gemessen wurde, nach erreichen der Warmwassertemperatur, schnell sank, obwohl kein Wasser verbraucht wurde. Nach einigen Analysen kam dann raus , dass der Sensor zu tief eingesteckt war, wahrscheinlich direkt beim Kaltwassereinlauf. 2 cm höher und das ganze normalisierte sich.
Dann habe ich noch die letzen freien stellen bei den Rohrleitungen gedammt, die ich mit Hilfe eines Flirs super ermitteln konnte.

Die nächsten Schritte

Nachdem die Heizung jetzt erstmal läuft, werden ich den Heizungsnotschalter noch einmal umbauen, und einen Stromzähler für die Inneneinheit integrieren. Dieses ermöglicht auch die Notdeaktivierung ohne in Keller im Brandfall zu müssen bzw. sobald die Rauchmelder loslegen , wird die Heizung deaktiviert.

Dann werde ich noch die Dichtungen der Fenster und Türen prüfen. Nächstes Jahr werden ich dann die Kellerfenster modernisieren.

Zusätzlich werde ich die Verbräuche protokollieren um die letzen FineTunungs nächstes Jahr, nach der Heizperiode durchführen zu können.

Fazit

Dank der staatlichen Förderungen und den aktuell günstigen Krediten bietet sich diese Zeit gut für Modernisierungen an. Je nach Modernisierungsart sollte man mindesten einen  bis drei Tage einplanen. Aber am wichtigsten ist ein Heizungsmonteur , dem man Vertrauen kann.

Lieferung Heizung
Heizung ganz nackig
Heizung ganz nackig

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